Presseveröffentlichungen


2008 30 Jan

PRESSE AKTUELL - OTZ, Greiz, 30.01.2008

LESERBRIEF - Jugend motiviert

OTZ, Greiz

Mitgliederschwund ist ein Problem, was alle demokratischen Parteien in der Bundesrepublik gleichermaßen betrifft. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Vor allem sind es wohl gesellschaftliche Veränderungsprozesse, die es zunehmend unattraktiver erscheinen lassen, einer politischen Partei beizutreten.
Die FDP sticht gegenüber SPD, Linkspartei/PDS und CDU in Bezug auf die Personalstruktur jedoch dadurch hervor, dass der Altersdurchschnitt der Mitglieder hier am geringsten ist. Gerade auf junge Menschen übt die Idee des Liberalismus offenbar große Anziehungskraft aus. Während die Mitgliederzahlen vor allem der Linkspartei/PDS durch das Ableben ihrer Mitstreiter sinken, besteht dieses Problem bei den Liberalen nicht. Von einer "personellen Sackgasse" mangels geeigneten Nachwuchses kann daher, zumindest im Falle der FDP, nicht gesprochen werden.
Mit der Gründung des Kreisverbandes Junge Liberale (JuLis) Greiz im Jahr 2007 haben wir bewiesen, dass sich auch Jugendliche motiviert und begeistert der Sache Politik widmen. Die JuLis als FDP- nahe, aber dennoch unabhängige politische Jugendorganisation, haben auch innerparteilich ein starkes Gewicht. Vor allem hier in Thüringen genießen wir als jüngstes Kind der "liberalen Familie" in besonderem Maße die Unterstützung des FDP- Landesverbandes.
In Bezug auf das Fernbleiben junger Menschen bei einer Veranstaltung der Linkspartei/PDS mit Katja Kipping, MdB, ist es zu einfach, die Gründe einzig im mangelnden Interesse dieser Altersgruppe an Politik zu suchen. Ganz gleich, ob nun die Ziele dieser politischen Gruppierung hier im Landkreis Greiz kaum auf das Interesse Jugendlicher zu stoßen scheinen, gibt es auch ganz praktische Gründe, die politisches Engagement erschweren. Es darf nicht unterschätzt werden, dass einer Veranstaltung an einem Werktag in einer ländlich geprägten Region nur wenige Schülerinnen und Schüler beiwohnen können. Naturgemäß ist es für unter 18- Jährige ohne Führerschein problematisch, eine Veranstaltung außerhalb ihres Wohnortes zu besuchen, zumal der Personennahverkehr nur mäßig ausgebaut und nicht für jeden finanziell erschwinglich ist.
Dass Parteipolitik gerade in den ostdeutschen Bundesländern in allen Bevölkerungsschichten skeptisch und bisweilen ablehnend betrachtet wird, ist kein generationenspezifisches Problem. Jüngere wie ältere Menschen lehnen es häufig ab, sich intensiv mit politischen Fragestellungen zu befassen und begnügen sich damit, "die da oben" als faul, abgehoben und überbezahlt zu beschimpfen. Es kann daher nicht über die Politikverdrossenheit Jugendlicher geklagt werden, vielmehr scheint dies ein gesamtgesellschaftliches Problem zu sein.


Personelle Sackgasse - Kommentar von Sandra Smailes in: OTZ, Greiz, 24.01.2008 -
Druckversion anzeigen