Bildungspolitik (1993)

Aus Julis Thüringen Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Wir Julis fordern die Festschreibung des gegliederten Bildungssystems aus Grundschule, Regelschule und Gymnasium. Wir begrüßen die Beibehaltung der mehr zu fördernden Spezialschulen und die Möglichkeit der Einrichtung von Versuchsschulen nach alternativen Schulmodellen.

Außerdem sind wir für die Weiterführung von Sonderschulen als Förderschulen. Dabei sollten behinderte Schüler, bei denen es möglich und pädagogisch günstig ist, an allgemeinen Schulen integriert werden. Bei den Regelschulen sollen Varianten des Zusammenspiels von Haupt- und Realschulzweig, die sich bewährt haben, beibehalten werden. Gut funktionierende Modelle können auf andere Schulen übertragen werden.

Es muß weiterhin die Durchlässigkeit innerhalb des Schulsystems, insbesondere nach Klasse 10, gewährleistet werden. Schüler, die den Realschulabschluß nicht erreichen, müssen die Gelegenheit erhalten, den Hauptschulabschluß nachzuholen. An den Regelschulen muß eine bessere Information von Eltern und Schülern erfolgen, damit gewährleistet wird, daß Schüler den Abschluß anstreben, den sie auch wirklich erreichen können. Die Klassenstärken sollen sich den zu vermittelnden Bildungsinhalten anpassen und dabei so gering wie finanziell vertretbar gehalten werden. Den Fächern Sozialkunde, Geschichte und Ethik muß eine größere Bedeutung zukommen. Die Regelschulen und die Berufsausbildung sollten aufgewertet werden, um den großen Zustrom auf die Gymnasien einzudämmen. Viele Schüler quälen sich, von ihren Eltern angetrieben, durchs Gymnasium, obwohl sie mit einer praktischen Berufsausbildung viel glücklicher wären. Der Zugang zu den Gymnasien darf nicht allein von den Eltern abhängig gemacht werden. Derzeit macht jeder dritte Schüler in Deutschland sein Abitur. Die Tendenz geht dahin, daß noch mehr Schüler nach dem Reifezeugnis streben.

Bereits vor 20 Jahren warnte Karl-Hermann Flach: "Wenn jeder das Abitur macht , bedeutet das Abitur relativ nicht mehr viel, wenn einmal 30% studieren, ist der Akademiker nichts anderes als ein wissenschaftlich vorgebildeter Facharbeiter." Um ein angemessenes Niveau zu gewährleisten, ist eine stärkere leistungsgebundene Zugangsbeschränkung fürs Gymnasium nötig. Die Wiederholung einer Klassenstufe am Gymnasium ab Klasse 9 darf nur in begründeten Ausnahmefällen möglich sein. Im Falle des Nichterreichens des Klassenzieles erfolgt eine automatische Rückstufung in die Regelschule, um den Erwerb der mittleren Reife zu ermöglichen.

Die Differenzierung nach naturwissenschaftlichem und sprachlichem Zweig im Gymnasium sollte frühestens ab Klasse 8 erfolgen, da Schüler vorher ihre Fähigkeiten und Neigungen noch nicht genügend einschätzen können. Am Kurssystem ist grundsätzlich festzuhalten. Dabei ist darauf zu achten, daß im Hinblick auf das künftige Studium die dafür erforderlichen Fächer (z.B. Biologie bei späterem Medizinstudium) nicht abgewählt werden dürfen. Einem Abiturienten, der ein für sein Studium relevantes Fach abgewählt hat, muß die Möglichkeit gegeben werden, in einer Eignungsprüfung entsprechende Kenntnisse unter Beweis zu stellen.

Die Abiturienten werden mit Fachwissen vollgestopft, wobei sowohl bürgerliche Reife als auch politische Bildung fehlen oder zu kurz kommen. Das Abitur soll eine niveauvolle Hochschulreife bleiben, eine Schulzeit von 12 Jahren reicht nach unserer Erfahrung bundesweit dafür aus.

Um eine bundesweite Vergleichbarkeit des Abiturs zu erreichen und ein gewisses Niveau zu halten, ist es nötig, eine zentrale Prüfung mit gleichen Aufgaben in den Schulen des jeweiligen Bundeslandes einzuführen. Dabei ist es dringend notwendig, die Prüfungsfächer festzuschreiben (Mathe-matik, Deutsch, eine Fremdsprache, eine Naturwissenschaft und eine Gesellschaftswissenschaft). Wir wenden uns dagegen, die Schulpolitik zum Spielzeug und Versuchskaninchen gewisser Politiker werden zu lassen. Der Neuaufbau des Schulsystems in den neuen Bundesländern ist schnellstmöglich abzuschließen. Wir befürworten eine gutüberlegte und ideologiefreie Diskussion über Reformen im Schulsystem. Allerdings darf nicht ständig an dem Schulsystem herumgeändert werden, um Unsicherheiten zu vermeiden.

Die längst überfällige Überprüfung der Lehrer durch die Gauck-Behörde ist dringend durchzuführen und abzuschließen. Um ein angemessenes Bildungsniveau zu gewährleisten, sind die Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrer zu erweitern bzw. wieder zu schaffen. Auf alle Fälle müssen Stundenausfälle in der Dimension wie z.B. in Nordrhein-Westfalen vermieden werden. Die Bildungspolitik darf nicht Opfer der schlechten Finanzlage werden. Wer an der Bildung spart, spart an dem Fundament für die Zukunft unseres Landes.

Wir Jungen Liberalen fordern:

  • die Beibehaltung der Schulspeisung
  • die Möglichkeit der Verwendung von Videoaufzeichnungen von Fernsehsendungen zur Bereicherung des Unterrichts
  • die Einführung eines Faches "Kommunikation" zur Herausbildung rhetorischer Fähigkeiten und
  • die weitestmögliche Verwendung von Recyclingpapier

Um große Streßsituationen zu vermeiden, darf der Einfluß weniger Arbeiten auf die Noten nicht zu groß sein. Daher ist die Anzahl der mehrfach bewerteten Klausuren zugunsten kürzerer Arbeiten, die über das gesamte Schuljahr zu verteilen sind, zu vermindern. Weiterhin ist ab Klasse 10 über die inhaltliche und leistungsmäßige Anforderung eines Hochschulstudiums und eines Studienfaches mit größerer Intensität zu informieren.

Das Angebot an Lerninhalten ist gegenüber den jetzigen Schulfächern auszuweiten. Ein aussagekräftiges Abitur, das tatsächlich eine allgemeine Studierfähigkeit vermittelt, macht zusätzliche Zulassungs- und Hochschuleingangsprüfungen nach weiteren Kriterien überflüssig. Eine weitere praktikable Form der Studienzeitverkürzung ist die sogenannte "Freischußregelung". Damit hat der Studierende die Möglichkeit, ohne Druck vorzeitig Examensprüfungen abzulegen. Bei Nichtbestehen wird die Prüfung in diesem Fall nicht gewertet. Wir lehnen die Einführung von Studiengebühren ab.

Um die Misere an den deutschen Hochschulen endlich in den Griff zu bekommen, fordern die Jungen Liberalen Thüringen die Einberufung eines "Bildungsgipfels".

Um den Erwerb des Abiturs auch im zweiten Bildungsweg zu ermöglichen, fordern wir die Erweiterung der Kapazität des Thüringenkollegs in Weimar. Die Außenstelle Ilmenau ist als selbständiges Kolleg auszubauen. Weitere Kollegs sind nach Notwendigkeit einzurichten.

Persönliche Werkzeuge