Bildungspolitik (aus dem "Gesamtprogramm" 1991)

Aus Julis Thüringen Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Schulreformen

Die liberalen Schüler fordern ein diffrenziertes Schulsystem in Thüringen, d.h. ein gleichberechtigtes Angebot von Gymnasien, Regelschulen und Gesamtschulen.

Bestehende Sonderschulen müssen erhalten und weiter ausgebaut werden. Schulen für mathematisch-naturwissenschaftlich, sprachlich oder musisch begabte Schüler könnten sich z.B. zu spezialisierten Gymnasien entwickeln. Körperbehinderte Schüler sollten je nach ihren Fähigkeiten in „normale“ Schulen integriert werden. Über die Einrichtung einer Schule muß letztendlich der Bedarf, also das Interesse der Eltern und Schüler entscheiden. Neben den schon erwähnten Schultypen halten wir ein alternatives Schulangebot (z.B. Waldorfschulen) für notwendig. Dabei sollte das Ziel eine größtmögliche Förderung von Schulen in freier Trägerschaft sein. Dazu ist ein Privatschulfinanzierungskonzept zu erarbeiten.

Schulzeit

Die Liberalen Schüler stzen sich für eine Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 und den Beginn des Gymnasiums in Klasse 7 ein. Das Ablegen des Abiturs soll in der Regel in der 12. Klasse erfolgen. Die Regelschule soll die Schüler je nach Fähigkeiten entweder zum Hauptschulabschluß in Klasse 9 oder zum Realschulabschluß in Klasse 10 führen. Nach dem Realschulabschluß muß im Interesse der Durchlässigkeit unseres Schulsystems das Ablegen des Abiturs möglich sein. Wir sind für die Beibehaltung der schulfreien Sonnabende.

Schülerrechte

Schülervertretungen müssen nach Ansicht der Jungen Liberalen unbedingt gesetzlich abgesichert werden in Form eines Schülermitwirkungsgesetzes. Schülervertretungen sollten bei allen wesentlichen Entscheidungen im Schulberreich beteiligt sein. Das kann z.B. durch die Teilnahme von Schülervertretern an allen Schulleitungssitzungen gewährleistet werden. Wir fordern, daß Eltern, Lehrer und Schüler die gleiche Stimmenzahl in der Schulkonferenz haben. Auf Kreis- und Landesebene müssen schnell die Vertretungen der Schüler geschaffen werden, um eine wirksame Interessenvertretung gegenüber den jeweiligen Behörden zu erreichen.

Schülerzeitungen

Schülerzeitungen dienen als Mittel der freien Meinungsäußerungen der Schüler. Sie dürfen keiner Zensur unterliegen und sind durch die Schulen zu fördern. Die einzelen Zeitungsredaktionen sollten auf Kreis- und Landesebene zusammenarbeiten.

Religionsunterricht

Grundsätzlich muß es als Alternative zum Religionsunterricht einen gleichwertigen Ethikunterricht geben. Wir fordern, daß aus dem Zeugnis nicht zu erkennen ist, ob der Schüler Ethik oder Religion belegt hat. Wir halten in Religion / Ethik eine Wochenstunde für ausreichend. Unabhängig vom Religionsunterricht ist der Ethikunterricht zu fördern.

Finanzielle und soziale Lage

Wir Jungen Liberalen sind der Auffassung, daß die thüringischen Schulen schnellstmöglich mit modernen Geräten und Materialien ausgestattet werden müssen. Schulgebäude müssen renoviert werden. Sie sollen auch zur Weiterbildung der Erwachsenen, sowie zu sonstigen Veranstaltungen genutzt werden können. Konkrete Projekte von Schülervertretungen sollten von den Kommunen unterstützt werden. Die Jungen Liberalen treten für eine 50%-ige Ermäßigung des Fahrpreises für Schüler bei allen öffentlichen Verkehrsmitteln, einschließlich der Bahn, ein.

Die Schülerspeisung muß beibehalten werden. Die Jungen Liberalen fordern für das Schuljahr 1991/92 Lehrbuchfreiheit oder zumindest eine hohe Beteiliung an den Kosten in Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern. Sozial schwache müssen individuell unterstützt werden. Wir fordern die Einführung von Schüler-BAföG für die Schüler der Klassen 11 und 12 entsprechend den früheren Ausbildungsbeihilfen.

Abschlüsse

Die Jungen Liberalen treten für die Anerkennung aller bestehenden Schulabschlüsse ein. Eine begonnene Ausbildung muß beendet werden können. Die Landesregierung wird aufgefordert, die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erlassen.

Vergangenheitsbewältigung

Das Bildungswesen ist einer der sensibelsten Bereiche unserer Gesellschaft. Deshalb halten die Jungen Liberalen ein Überprüfung aller Lehrkräfte für unumgänglich. Alle Lehrer, die früher für das MfS als bezahlter Informant gearbeitet oder Schüler oder Lehrer wegen anderer politischer Auffassungen drangsaliert haben, müssen aus dem Schuldienst entlassen werden. Wir lehnen aber Pauschalverurteilungen und Hexenjagden ab. Die Überprüfung muß von unabhängigen Kommissionen unter Hinzuziehung von Lehrern, Eltern und Schülern durchgeführt werden.

Hochschulpolitik

  • Erhalt und Ausbau der bestehenden Hochschullandschaft in Thüringen
  • Neugründung von universitären Einrichtungen nicht auf Kosten bestehender Hochschulen und Universitäten
  • Gründung von drei Fachhochschulen in Thüringen unter Einbeziehung von bestehenden Fachschulen
  • Einführung eines „studium generale“ an allen Hochschulen und Universitäten
  • Einbeziehung der studentischen Gremien in Entscheidungen über die Umstrukturierung an Hochschulen und Universitäten

Thüringer Hochschulgesetz

  • schnelle Schaffung eines ordnungspolitischen Rahmens zur Vermeidung von Rechtsunsicherheiten
  • Durchführung von Anhörungen im Wissenschaftsausschuß des Thüringer Landtages bei der Entwicklung des Landeshochschulgesetzes
  • Berücksichtigung der spezifischen Thüringer Situation im ThHG, z.B. durch:
  • Anerkennung der Studentenräte als verfaßte Studentenschaft
  • Anerkennung des Landessprecherrates als höchstes studentisches Gremium auf Landesebene
  • gesetzliche Regelungen über die Sitzverteilung in den Unigremien (1/3-Parität anstreben)
  • Festlegung von Semesterbeiträgen zur Arbeit der gewählten Studentenvertretungen
  • Rahmenbedingungen für Prüfungs- und Wahlordnungen sollen zeitgleich mit dem Thüringer Hochschulgesetz verabschiedet werden

Studentenwerke

  • an jedem Standort einer Universität bzw. Hochschule soll ein Studentenwerk entstehen (Erfurt, Jena, Weimar und Ilmenau)
  • Aufgabe des Studentenwerkes sind alle kulturellen und sozialen Belange der Studenten, u.a.: Studentenwohnheime, Mensen, Kindertagesstätten, Sportmöglichkeiten, Studentenclubs, Arbeitsgemeinschaften, kulturelle Veranstaltungen
  • dies soll in enger Zusammenarbeit mit den studentischen Vertretern geschehen
  • das Studentenwerk arbeitet in Eigenverantwortung
  • Erhalt der bestehenden Wohnheimplätze sowie Planungen für Neubauten erstellen
  • Überprüfung der geplanten Regelungen zur Vermietung von Wohnheimen (Mietpreisbindung im Grundgesetz beachten)
  • schnelle und umfassende Information der Studierenden über Mietpreise und Verträge (eventuelle Anfrage der F.D.P.-Fraktion an den Wissenschaftsminister)
Persönliche Werkzeuge