Gedanken zur Ausbildungsproblematik
Aus Julis Thüringen Wiki
Zunächst sollten wir uns klar darüber sein, dass die Lösung der Lehrstellenmisere nicht losgelöst von der allgemeinen Arbeitsplatzsituation erfolgen kann. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, werden automatisch auch weniger Ausbildungsstellen zur Verfügung gestellt. Aber trotzdem sollte jeder Jugendliche einen, wenn auch nicht immer den gewünschten, Ausbildungsplatz erhalten. Um jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz anbieten zu können, ist eine Vielzahl an einzelnen Maßnahmen erforderlich.
Festhalten am dualen Ausbildungssystem
Das Ausbildungssystem in Deutschland ist, bei einem Vergleich mit den anderen Ländern, eines der besten Systeme. Gerade die Verbindung von praktischer und theoretischer Ausbildung bietet gute Chancen, qualifizierte Lehrlinge auszubilden. Darum sprechen wir uns für ein Festhalten am dualen Ausbildungssystem aus.
Keine Ausbildungsabgabe
Wir sind gegen eine Ausbildungsabgabe der nicht ausbildenden Firmen und gegen eine Quoten für Mindestausbildungsplätze. (Wenn überhaupt erst ab großer Arbeitnehmerzahl). Solche Regelungen widersprechen unseren liberalen Grundgedanken, vom Abbau von Regelungen, die den Wettbewerb und die Wirtschaft behindern. Auch soll niemand die Möglichkeit bekommen, sich durch eine Abgabe von seiner sozialen Verantwortung freikaufen zu können. Vielmehr sollte in Zusammenarbeit aller (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Gewerkschaften, staatlichen Stellen) eine Aktion - Bündnis für Ausbildung - ins Leben gerufen werden. Die Unternehmer sollen im Rahmen ihrer Verantwortung als Mitglieder der Gesellschaft freiwillig zu mehr Ausbildung bewegt werden.
Kürzung Lehrlingsentgelt
Für viele Firmen sind ein Großteil der Ausbildungskosten Personalkosten. Darum sollte über eine Kürzung des Lehrlingsentgeltes nachgedacht werden. Denkbar wäre zum Beispiel ein minimales Lehrlingsentgelt in Höhe von 600 DM, ähnlich einem Mindestlohn. Dem Unternehmer soll es aber freigestellt werden, flexibel und abhängig von der Marktsituation ein höheres Entgelt zu zahlen.
Keine garantierte Übernahme
Eine garantierte unbefristete Übernahme im erlernten Beruf sollte es nicht geben. Dies würde nur Unternehmen wiederum abschrecken, Ausbildende einzustellen, da sie dann die Befürchtung hätten, die ausgebildeten Lehrlinge übernehmen zu müssen und darum lieber erst überhaupt keine Lehrlinge einzustellen. Vielmehr sollte eine befristete Übernahme nach dem Ende der Lehre (Abschluss der Prüfung) zu Bedingungen ähnlich wie im Lehrverhältnis möglich sein.
Überarbeitung des Ausbildungsplanes
Der Ausbildungsplan muss entschlackt werden. Im Rahmen einer Reform des Unterrichtsstoffes sollten überholte und nicht mehr benötigte Themen gestrafft oder gänzlich entfernt werden. Dabei soll aber immer noch eine gute theoretische Ausbildung mit aktuellen und insbesondere zukunftsorientierten Themen erhalten. Darum spricht sich die Jungliberale Aktion Thüringen e.V. auch gegen die einfache Streichung von einem Berufsschultag aus. Zwar sollte der Lehrling auch nach unserer Ansicht mehr Zeit im Betrieb verbringen, dies soll aber durch eine andere Organisation der theoretischen Ausbildung erreicht werden. Dabei sollten aber auch neue Wege angedacht werden. Eine Möglichkeit wäre, einmal monatlich am Samstag einen Berufsschultag abzuhalten. Neue Ausbildungskonzepte sind erforderlich. Projekte, wie im Einzelhandel schon erfolgreich gehandhabt - bei Bedarf Wegfall der theoretischen Ausbildung im Weihnachtsgeschäft und Nachholung bei ruhigerer Lage, z.B. im Januar - sollten vermehrt eingeführt werden. Es sollte eine engere Verbindung von Wirtschaft und Hochschulen und eine kurzfristige Umsetzung von neuen Ideen aus der Forschung in die Wirtschaft und auch in die Lehrlingsausbildung erfolgen. Die Lehrausbildung muss auch Zukunftstechnologien enthalten und den Lehrlingen die Märkte der Zukunft eröffnen. Neue Lehrberufe sollten schneller und effektiver umgesetzt und eingeführt werden. Die bestehenden ca. 370 Lehrberufe sind den heutigen Bedingungen und Anforderungen aus der Wirtschaft zum Teil nicht mehr gewachsen.
Erleichterung der Ausbildungsmöglichkeit
Die Anforderungen an ausbildende Unternehmen müssen so gesenkt werden, dass diese keine unüberwindbaren Hindernisse darstellen, aber eine fundierte Ausbildung noch immer gewährleisten. Unnötige, vor allem bürokratische, Hemmnisse müssen abgebaut werden. Neue Ideen sind auch auf dem Ausbildungsmarkt gefragt. Denkbar wäre als Beispiel ein Ausbildungsverbund, bei dem sich mehrere Unternehmer, die sich einzeln je einen Lehrling nicht leisten könnten, zusammen einen Lehrling ausbilden. Fördermittel für (Klein-)Unternehmen, die ausbilden würden, aber die Kosten dafür nicht aufbringen können, z.B. für die Ausbildungsvergütung oder die ausbildungsgerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes. Eine schleichende Verstaatlichung der Berufsausbildung muss verhindert werden, eine staatliche punktuelle und auf den Einzelfall oder in besonderen problematischen Zeiten begrenzte Förderung kann notwendig sein, aber eine zukünftige gesamte Subventionierung kann nicht unser Ziel sein.
Beibehaltung des Berufsvorbereitungsjahrs
Wir sind für eine Beibehaltung des praxisorientierten Berufsvorbereitungsjahres, um die größte Not auf dem Ausbildungsmarkt abfangen zu können und Jugendliche, die - aus welchen Gründen auch immer - keine Lehrstelle bekommen haben, vor der Arbeitslosigkeit zu schützen. Das Berufsvorbereitungsjahr kann - und sollte in Zukunft wieder verstärkt - nur eine Ausnahme sein. Ziel muss es sein, Ausbildungsplätze zu schaffen und nicht die Absicherung arbeitsloser Jugendlicher.
