Programmatik zur Bildungspolitik (Kahla-Papier)

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Alle Bereiche des menschlichen Lebens sind einem ständigen Wandel unterzogen, eine Reform der Bildungspolitik wurde von allen großen Parteien schon unzählige Male versprochen, aber eine Bildungsreform, die diesen Namen auch verdient hat gab es bisher nicht. Aus diesem Grund fordern wir als Jungliberale Aktion einen Wandel in der Thüringer Bildungspolitik, wir wollen:

(1) Flexibilisierung und Verkürzung der Ausbildung

(2) Steigerung der Qualität der Lehre

(3) Reform von Inhalten der Lehre

(4) Chancengleichheit im Bildungssystem

(5) Anerkennung von Leistung („Leistung muss sich lohnen“)

Reform des Schulwesens:

  • Der Schulbeginn muss mit dem 5. bzw. 6. Lebensjahr (spätestens mit dem 7. Lebensjahr) in Form eines Vorbereitungsjahres/ einer „Vorschule“ erfolgen. Vorbild könnte u.a. die „Preschool“ in Großbritannien sein. Im Folgejahr beginnt dann der eigentliche Unterricht mit Benotung und festem Stundenplan.
  • Der fremdsprachliche Unterricht muss bereits in der ersten Klasse beginnen. Je früher die Kinder eine Fremdsprache erlernen, um so einfacher fällt es ihnen, da der Fremdspracherwerb in diesem Alter dem natürlichen Spracherwerb (vgl. Muttersprache) ähnelt.
  • Wir fordern die Wiedereinführung der Berufsausbildung mit Abitur zur Verkürzung der Ausbildungs- und Abiturzeit. Innerhalb von 3 Jahren können Jugendliche einen Beruf erlernen (Facharbeiter) und gleichzeitig das Abitur machen.
  • Das Abitur muss bundeseinheitlich mit 12 Jahre Schule zu erreichen sein.
  • Das Abitur als bester Schulabschluss ist zu stärken. Die Gymnasien müssen verstärkt ihre Schüler auswählen, um das Abiturniveau nicht zu verwässern. Der Übergang an das Gymnasium muss ab der 6. Klasse möglich sein, aber auch in den Folgejahren. Eine Flexibilisierung des Systems erleichtert das Nachziehen von Schülern, die im Lauf ihrer Schulbildung gestiegene Leistungen vorweisen können aber auch den Rückgang von Schülern in die Regelschule, wenn die Leistungen nicht erbracht werden. Eine objektive Bewertung des Leistungsvermögens der Schüler beugt Frustrationen bei nicht erreichtem Leistungsniveau an einer nicht adäquaten Schule vor.
  • Für eine „objektive Bewertung“ sollte nicht allein der Notendurchschnitt maßgeblich sein. Daher sind vor dem Übertritt in eine andere Schulform Gespräche mit den Schülern (gegebenenfalls mit den Eltern) zu führen, bei der die Chancen des Einzelnen im jeweiligen Schulmodell betrachtet und den Eltern die Leistungen des Kindes verdeutlicht werden müssen.
  • Die erste Trennung der Klassen in Gymnasial-, Hauptschul- und Realschulklassen fordern wir im 6. Schuljahr. Sowohl vom Standpunkt bevölkerungsspezifischer Gegebenheiten in Thüringen, als auch vom Standpunkt der „Entghettoisierung“ von leistungsschwachen Kindern aus, ist das bisherige Modell der integrativen Schulen (Haupt- und Realschulen unter einem Dach) unbedingt zu erhalten.
  • Veränderungen im Bildungsbereich müssen mit der Stärkung der Positionen von Lehrern einhergehen. Die gestiegenen Ansprüche an Arbeitnehmer betreffen auch die Lehrer, die durch regelmäßige Weiterbildung ihren Schülern lebenslanges Lernen vorleben sollten. Gleichzeitig ist die verantwortungsvolle Rolle des Lehrers als Autorität und Partner in der Öffentlichkeit zu honorieren und auf die Rolle der Eltern und des familiären Umfeldes in der Erziehung der Kinder hinzuweisen.
  • Bisher sind vor allem „Problemfälle“ das Maß der Dinge im Unterricht. Lehrer müssen dafür sensibilisiert werden, dass sie sich nicht am Mittelmaß orientieren sollten, sondern (bei Bedarf) Klassen in Kleingruppen teilen müssen. Das erfordert eine umfangreichere Vorbereitung, führt aber zu einem intensiveren und effektiveren Unterricht für die Schüler.
  • Schulen sollten verstärkt Unternehmen gewinnen, die einerseits aus ihrem Tätigkeitsfeld berichten und den Jugendlichen Einblicke in die Berufswelt vermitteln, andererseits den Weg : Bildung- Arbeit- Zukunft verdeutlichen.
  • Ein Zentralabitur ist als einheitliche Messlatte innerhalb Deutschlands anzustreben. Die Bildungshoheit der Länder fördert den Wettbewerb zu den Systemen der Länder nicht.
  • Für die Teilnahme an „Olympiaden“ und Wettbewerben als Möglichkeit des regionalen, nationalen und internationalen Vergleichs muss verstärkt geworben werden. Die Bereitstellung attraktiver Preise durch Sponsoren („Leistung muss sich lohnen“) kann zu einem Anstieg des Images solcher Veranstaltungen werden (Vorbild: „Jugend forscht“).
  • Lehrpläne müssen verstärkt Wert auf zusammenhängendes Denken und Querdenken legen. Fachübergreifende Lehre bereitet die Jugend auf die Anforderungen der Zukunft vor. Anstelle der puren Wissensvermittlung muss den Schülern das „Wie“ des Wissenserwerbs vermittelt werden.

Reform der Hochschule:

  • Wir fordern, dass das Studium in Form eines Modularprogramms aufgebaut ist. Wir fordern, dass am Ende eines Grundstudiums eine Prüfung steht, die als Bachelor- Abschluss international anerkannt wird. Die bisher üblichen „Zwischenprüfungszeugnisse“ sind in ihrer jetzigen Form mit keinem anderen ausländischen Abschluss vergleichbar und werden auch innerhalb Deutschlands nicht als relevante Leistungsbewertung anerkannt. Sie sind daher obsolet und müssen durch Bachelor- Abschlüsse ersetzt werden.
  • Wir fordern die Abschaffung der ZVS.. Den Hochschulen muss eine Autonomie zugebilligt werden, die es ihnen ermöglicht, sich die Studenten auszusuchen. Gleichzeitig müssen auch Studenten die Möglichkeiten haben, sich frei für eine Universität zu entscheiden.
  • Die Einführung von Bildungsgutscheinen an Universitäten geben jedem Studenten die Chance, sein Studium eigenständig zu planen und zu strukturieren. Außerdem wird das Studium gestrafft, da nur eine begrenzte Anzahl von Gutscheinen zur Verfügung steht.
  • Wir wollen ein 3- Körbe- Modell der Studienfinanzierung (1. Korb: x EURO pauschal für jeden Studenten, 2. Korb: nicht zurückzuzahlende Förderung abhängig vom Elterneinkommen, 3. Korb: zinsgünstiges Darlehen) und die Bereitstellung einer bestimmten Menge von Bildungsgutscheinen ermöglichen jedem Studenten die individuelle Planung seines Studiums.
  • Die Kultusministerkonferenz, die einstimmige Beschlüsse fällen muss, ist ein unflexibles, träges System, dass abgeschafft werden sollte. Stattdessen sind flexiblere Kommissionen zu bestimmten Themen bei Bedarf zu konstituieren.
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